FELIX JUD
Buchhandlung – Antiquariat – Kunsthandel
Zwischen Tradition und Avantgarde

Von Sonja Valentin

Die Buch- und Kunsthandlung FELIX JUD ist einer jener rar gewordenen Orte, an dem die Welt von gestern und die Welt von heute eine glückliche Allianz eingehen. Ein Ort, an dem die Zeit bisweilen still zu stehen scheint, weil intensive Gespräche über Bücher, Kunst und Kultur möglich und erwünscht sind.

Im Oktober 2013 wurde bei FELIX JUD das 90jährige Firmenjubiläum mit geladenen Gästen gefeiert. Dieser Abend erinnerte an die Zeit der Geschäftsgründung: eine Epoche, in der Hamburg zu einer der künstlerisch aktivsten und fortschrittlichsten Städte Deutschlands zählte.

In expressionistischen Kostümen des Hamburger Künstlerpaares Lavinia Schulz und Walter Holdt aus der Sammlung des Museum für Kunst und Gewerbe traten Tänzer auf. Dr. Claudia Banz und Dr. Rüdiger Joppien führten ein Gespräch über die quirlige Kultur der 20er Jahre in Hamburg. Gleichzeitig wurde die Jubiläumsausstellung „Herbstsalon“ mit Werken von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen, Emil Nolde, Pablo Picasso u.a. eröffnet.

 

Historie

Felix Jud war 24 Jahre alt, als er 1923 seine „Hamburger Bücherstube“ gründete. In der Einladung zur Eröffnung hieß es selbstbewusst: „Allen Verhältnissen zum Trotz – im Glauben an eine bessere Zukunft Deutschlands und im Vertrauen auf das literarisch gebildete Hamburger Publikum – haben wir uns entschlossen, eine neue Buchhandlung zu eröffnen.

Die HAMBURGER BÜCHERSTUBE FELIX JUD & CO. soll eine Pflegestätte sein für das gute und schöne Buch, für Publikationen über alte und moderne Kunst und für Bücher über Philosophie. Darüber hinaus werden alle wesentlichen Erscheinungen aller anderen Wissensgebiete stets vorrätig sein.“

Dieses Credo bildete den Grundstein für eine anhaltende Erfolgsgeschichte und hat auch heute – 90 Jahre später – nichts an Gültigkeit und Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Felix Jud, 1899 im ehemals niederschlesischen Klingenthal geboren und schon als Kind ein passionierter Leser, absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre im Eisenwarenhandel, bevor er sich seinen Traum erfüllen konnte und Buchhändler wurde. Nach seiner Ausbildung bei Eckard Klostermann übernahm er schon kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges (da war er 15 Jahre alt) die volle Verantwortung für die Fromman‘sche Hofbuchhandlung in Jena. Er war 16 erwachsenen Kolleginnen vorgesetzt, deren Männer im Krieg standen. 1919 fand er eine Stelle in Hamburg, und vier Jahre später (am 20. November 1923) eröffnete Felix Jud in den Colonaden 104 die HAMBURGER BÜCHERSTUBE. Neben der Klassischen Literatur hat für ihn zeitlebens die Neue Deutsche Literatur eine zentrale Rolle gespielt – ermöglichte sie ihm doch den persönlichen Umgang mit den Autoren.

 

Das Besondere

Die Buch- und Kunsthandlung FELIX JUD war und ist durch eine ganze Reihe von Aktivitäten mit der Kunst- und Literaturszene Hamburgs verbunden. Sie arbeitet eng mit den Läden in der Hamburger Kunsthalle zusammen und betrieb jahrzehntelang den Shop im Museum für Kunst und Gewerbe. Wilfried Weber, der 1962 zu FELIX JUD kam und mit seiner Teilhaberschaft 1973 das Angebot der Buchhandlung um die Bereiche Kunst und Antiquariat (Felix Jud Antiquariat) erweiterte, ist Mitbegründer und langjähriger Vorstandsvorsitzender des Literaturhauses Hamburg gewesen und seit Jahren im Vorstand der Freunde der Kunsthalle tätig. Wilfried Weber und Marina Krauth, Mitinhaberin seit 1993, sehen eine besondere Herausforderung darin, ihr Traditions-Geschäft in einer Zeit zu führen, die voller wirtschaftlicher, kultureller und technischer Veränderungen ist. Wilfried Weber ist überzeugt: „Man muss sich die berühmte Nische schaffen, in der man gebraucht wird und in der ein Teil der Kundschaft seine Bedürfnisse erfüllt sieht. Man muss sich als Unikat präsentieren. Unser Weg ist Konzentration auf die Bereiche, die unser persönliches Interesse ausmachen, wo wir uns auskennen und auch breit sortiert sind, sowie der kompetente Dialog mit den Kunden.“ Marina Krauth betont: „Für uns gilt: Fortschritt nutzen, Individualität wahren, Orientierungshilfen bieten. Bei uns ist der Kunde weniger König – er ist und bleibt Persönlichkeit.“

Autoren im Dialog – Lesungen mit prominenten Gästen

Die Liste der hochrangigen Autorinnen und Autoren, die schon als Gast bei FELIX JUD aufgetreten sind, um aus ihren Büchern zu lesen und mit dem Publikum zu diskutieren, ist lang und beeindruckend. Stellvertretend für die vielen prominenten Gäste seien hier nur einige genannt: Henry Miller, Gregor von Rezzori, Siegfried Lenz, Cees Noteboom, Walter Kempowski, Martin Walser, Wolfgang Hildesheimer, Nobelpreisträger Derek Walcott, Jurek Becker, Durs Grünbein, Karl Lagerfeld, Alexander Graf Schönburg, Joachim Fest, Christian Kracht, Louis Begley. Hervorragende Sprecherinnen und Sprecher haben ihre Stimmen Autoren geliehen, die ihre Texte nicht mehr selbst vortragen konnten: Hanns Zischler (Henry James), Iris Berben (Bulgakow und Némirovsky), Katja Riemann (Fontane), Bruno Ganz und Otto Sander (Flaubert und Turgenjev), Barbara Auer (Puschkin), Jan Philipp Reemtsma (Arno Schmidt), Markus Boysen (Max Beckmann), Joana Maria Gorvin (Minetti), und Gert Westphal (Wieland und Goethe), Ulrich Tukur (Osip Mandelstam), Helmut Lohner und Jürgen Flimm (Thomas Bernhard und Siegfried Unseld), u.a. In der Reihe „Leben mit Philosophie“ sprachen u.a. Rüdiger Safranski, Volker Gerhardt und Norbert Bolz. Die Reihe der Lesungen hat sich bis heute fortgesetzt und wird auch künftig mit attraktiven Veranstaltungen in der schönen Atmosphäre der Buchhandlung stattfinden, um den lebendigen, direkten Dialog zwischen Autoren und Lesern zu ermöglichen.

 

Künstler bei FELIX JUD
Bücher, Happenings und Verkaufsausstellungen

Bücher waren für Horst Janssen Garanten, die seine künstlerische Arbeit dokumentierten. Bei deren Entstehen wirkte er emsig mit. Vom Ende der 60er Jahre an fanden zahlreiche Buchpremieren mit Janssen am Neuen Wall statt. Diese Veranstaltungen hatten Happening-Qualität, denn der Künstler las eigene Texte und signierte anschließend das neue Buch, trüffelte es mit einer gezeichneten Widmung. Dafür standen die Leute geduldig stundenlang bis auf die Straße an. Janssen hat Radierungen, die wir verlegt haben, zu unterschiedlichen Anlässen geschaffen.

Nach dem Brand des Geschäftes an Silvester 1989/90 hatte Horst Janssen eine zündende Idee. Er organisierte eine Autographenauktion mit eigenen Radierungen, auf denen er die Größen aus Kultur und Politik einlud, sich textlich auszudrücken. Willy Brandt, Peter Ustinov, Elias Canetti, Jürgen Habermas, Patricia Highsmith, Loriot und viele andere. Das Ereignis war überwältigend und half bei der Finanzierung der neuen Einrichtung.

Eine enge Verknüpfung von Kunst und Literatur ist durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Künstler Klaus Fußmann und den Autoren Siegfried Lenz und Ulla Hahn gelungen. Dabei sind sehr erfolgreiche Buchprojekte in bibliophiler Ausstattung entstanden. (Verlag Felix Jud)

Klaus Fußmann haben wir mehrfach in Einzelausstellungen präsentiert, zuletzt seine Ansichten zu Alster und Elbe (2012). Für unser 90jähriges Jubiläum hat er eine lebendige Darstellung der Alsterarkaden mit Blick auf Rathaus und Barlach-Denkmal geschaffen. Der Jubiläumsausgabe „Leute von Hamburg“ von Siegfried Lenz ist dieser Linolschnitt beigelegt.
Daniel Richter zeigte bei uns 2010 seinen Zyklus zu Hubert Fichte. 2011 las er an einem legendären Abend gemeinsam mit dem Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner aus dem Briefwechsel zwischen Max Liebermann und Alfred Lichtwark. 2012 widmeten wir ihm eine Einzelausstellung.

Jochen Hein, der 2013 große Einzelausstellungen in Koblenz und Klagenfurt hatte, zeigte bei uns bereits zwei erfolgreiche Ausstellungen – zuletzt 2012 seine „Schaubeck-Sessions“.

Die Klassische Moderne und der Expressionismus sind stets Thema am Neuen Wall – so wie 2013 die Jubiläumsausstellung „Herbstsalon“.
Und immer wieder finden die raffiniert-amüsanten Holzskulpturen von Georg Schulz einen Platz bei uns im Schaufenster.

So verbinden sich bei uns Literatur und Kunst in ganz eigener, unverwechselbarer Weise.